Auszug aus einem Text von Alexandra Hanzl, Stellvertretende Direktorin/Kuratorin, LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna anlässlich der Ausstellungseröffnung >besiedlung 2 von Susanne Piotter und Sophie Tiller in der Galerie Benedict, Wien

Susanne Piotter, die in Maastricht Bühnenbild studiert hat, wählt für ihre Inszenierungen modellhafte Umgebungen, die in dieser Form „in realiter“ nicht existieren. Sie geht nicht gezielt auf die Suche nach wirklichen Orten, sondern nimmt diese zwar auf, aber entfernt anschließend störende Elemente und verfremdet ihre Fotos in mehrschichtigen Verfahren auf dem Computer – bis diese schließlich die von ihr gewünschte Atmosphäre haben. Und die Atmosphäre ist es auch, die der Künstlerin besonders wichtig ist.

Sie entwickelt die Schauplätze folglich weiter, gibt ihnen eine gewisse („Sinn-„)Richtung und schafft letztendlich etwas Fiktionales. Indem sie anschließend auch noch übergroß dimensionierte Tiere in die von ihr geschaffenen Kulissen einbindet, verlässt sie die gewohnten Pfade und fordert den Betrachter dazu auf, Geschichten im Kopf entstehen und das eigene „Kopfkino“ sozusagen „Filme“ schreiben zu lassen. Die Umgebungen der von Susanne Piotter kreierten Tierwelten sind modellhaft und lassen uns dadurch bewusst werden, dass sie eigentlich vom Bühnenbild her kommt. Sie selbst bezeichnet ihre Arbeiten als „inszenierte Momentaufnahmen vor der Kulisse verlassener Stadträume und kultivierter Landschaften“.

In Piotters Siebdrucken verschieben sich die Proportionen: Der Mensch – lediglich gedanklich vorhanden – wird klein und erhält eine andere Position in der Welt, die Insekten hingegen sind übermächtig. Die Natur wird damit – vielleicht durch die Unachtsamkeit des Menschen bedingt – zur Bedrohung, das Bezwingen der Natur durch den Menschen erscheint hier plötzlich unmöglich. Dieser Aspekt lässt an dystopische Literatur und Filme, beginnend mit „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 denken, oder „Brave New World“ von Aldous Huxley (1932) sowie 1984 von George Orwell (1949).
Ebenso in diesem Kontext zu erwähnen sind aber auch die Horror- und Fantasy-Filme der 1950er-Jahre, wie zum Beispiel „Formicula“ (1954), „Godzilla“ (1954) und „Tarantula“ (1955) oder aber auch aktuellere Werke, wie Jurassic Park (1993) oder „Die Tribute von Panem“ (2008–2010). Oder wer assoziiert damit nicht die Szene, als King Kong bereits 1933 in der ersten Verfilmung unter dem Titel „King Kong und die weiße Frau“ auf der Spitze des Empire State Building in New York balanciert, die Hauptdarstellerin fest in seiner Gewalt …?

Diese Anti-Utopien in Literatur und Film zeichneten die Vision einer Gesellschaft, die sich zum Gegenteil einer Utopie, also einer idealen Gesellschaft, entwickelt hatte und bei der die unberührte Natur nun die Funktion eines Gegenbildes einnahm. Immer wieder ging es in diesen Zusammenhängen um das Spannungsverhältnis zwischen Natur und Mensch oder vom Menschen Geschaffenes – wie auch in den Arbeiten von Susanne Piotter.

© Mag. Alexandra Hanzl, MBA Oktober 2014

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